Museum der alten Drucke und der Volkskeramik

ObrázekDas Museum befindet sich in einem gemütlichen kleinen Haus an der Ecke des Stadtplatzes von Štramberk, das gleichzeitig auch Sitz des Relax-Infozentrums im Vorland der Beskiden ist. Es wurde 2006 eröffnet – also anlässlich des 500. Jubiläums der Böhmischen Bibel – der sog. venezianischen Auflage aus dem Jahr 1506, die ein wichtiger und attraktiver Teil der ausgestellten privaten Sammlung des Museums darstellt. Der Sammlungsbestand im Hauptteil des Gebäudes schließt weitere fünfzig Buchexponate ein, in denen sich die Erntwicklung der Buchkultur und des Schrifttums vom 15. bis zum 19. Jahrhundert widerspiegeln. Der Geist des Ortes durchdringt die Zeit und die Gegend.

Ausstellung der Volkskeramik

In den steinernen Räumlichkeiten der Museumskeller wird die Sammlung der Volksfayence aus 16 mährischen und slowakischen Werkstätten, aber auch der Fayence aus Niederösterreich, Deutschland – Rheinland, Istria und Zittau ausgestellt. Die Erzeugung der Fayence, Keramik mit einer Blei-Zinnglasur, war in Mähren am häufigsten und hauptsächlich von der Mitte des 18. Jahrhunderts bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts verbreitet.

Die ersten Fayence-Krugwerkstätten wurden jedoch von Wiedertäufern/Ha­banern in Mähren bereits am Ende des 17. Jahrhunderts gegründet. Die Habaner-Keramik zeichnete sich durch das Dekor aus, das auf die Glasur in Farben „des großen Feuers“ (Blau, Gelb, Grün, Mangan) aufgetragen wurde. Erst später kam die anspruchsvollere Verzierungstechnik mit „dreifachem“ Vorbrand (karminrot, blankgelb, sattgrün), mit Akzent auf die Darstellung von Menschen und Tieren zum Einsatz.

Zu den ältesten ausgestellten Exponaten der hiesigen Privatsammlung zählt zum Beispiel der große weiße Habaner-Teller, sog. Kardinalhut aus dem Ende des 17. Jahrhunderts (Mähren) oder der Posthabaner-Krug mit einem Schuhmacheremblem aus dem Jahr 1742 (Mähren).

DžbánEin Scherzkrug oder täuschender Krug aus der Werkstatt von Josef Míčka (Modra)aus dem Ende des 19. Jahrhunderts ist Teil der Privatsammlung der Volkskeramik in Štramberk. Der hohe Hals des Krugs besteht aus einem durchgearbeiteten Lochgitter, das es unmöglich macht, vom Krug normal zu trinken ohne sich mit dem Kruginhalt zu beschütten. Wie kann man also den scherzhaften Krug anführen? „Am verdickten oberen Rand des Krugs sind einige Hohlkugeln vorhanden. Manchmal sind sie auch am Henkel angebracht. Nur eine der Kugeln erlaubt uns jedoch das leckere Getränk aus dem Krug geschickt zu saugen,“ verrät uns das Geheimnis des Kruges Jaromír Veselka, der sich an der Installation der Štramberker Ausstellung selber beteiligte .*

Katalog2007 wurde von der Firma Šmíra-Print s.r.o.auch der Katalog der Volkskeramik herausgegeben. An diesem Katalog beteiligte sich bedeutend PhDr. Jiří Pajer, CSc., der Ethnologe und Archäologe, der sich mit Ausgrabungen der Zentren der Habaner-Keramik bereits seit 30 Jahren beschäftigt. Heute ist er daher wahrscheinlich der einzige kompetente Fachmann, der die Herkunft einzelner Fayence-Erzeugnisse bestimmen kann. Den Katalog können Sie direkt im Museum der alten Drucke und der Volkskeramik (Náměstí Nr. 40, Štramberk, Tel. 556 801 935) kaufen, der Preis beträgt 99,–CZK.

FAYENCE oder MAJOLIKA?

Von der technischen Sicht her gibt es zwischen der Fayence und der Majolika keinen Unterschied. Majolika wird für die Bezeichnung der italienischen Keramik mit der Blei-Zinnglasur, Fayence für die gleiche Erzeugung aus den Ländern nördlich von Alpen verwendet. Fayence – kommt von der Stadt Faenzi (in der die Keramik mit der Blei-Zinnglasuer hergestellt wurde) und Majolika – wird nach dem Insel Mallorca bezeichnet (diente als ein Umladeplatz für keramische Waren, die aus Spanien nach Italien transportiert wurden).

Hory Olivetská

Ölberg

Ein Teil der Sammlung des Museums der alten Drucke und der Volkskeramik in Štramberk ist die 2. Auflage des wertvollen Exemplars des „Ölbergs“ aus dem Jahr 1704 – des Verfassers Matěj Tanner (1630–1692). Das ausgestellte Werk ist klein, was seine Maße betrifft, hat jedoch einen großen geistigen Wert, denn es ist einer der bekannten erhalten gebliebenen Drucke dieses Titels aus der Barockzeit. Das Exemplar wurde dem Museum aus der Privatsammlung von Herrn Josef Hrček aus Štramberk geliehen.

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